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Der Kies-Konflikt

Wird unser wichtigster Rohstoff knapp?

 

Ohne Sand und Kies wäre der Bau-Boom in Berlin und Brandenburg undenkbar. Doch die Proteste gegen den Abbau werden lauter, die Auflagen strenger, der Nachschub gerät ins Stocken. Steuern wir auf eine Rohstoff-Krise zu?

Der Beton läuft, jeden Tag auf unzähligen Baustellen der Republik. Neue Wohnungen, Schulen, Kindergärten, U-Bahn-Tunnel - in allen stecken Unmengen von Sand und Kies. Ohne den wichtigsten Rohstoff des Landes lässt sich kaum ein Wahlversprechen einhalten. Da verwundert es nicht, dass bisher kaum über einen Konflikt gesprochen wird, der schon bald unser Land beschäftigen wird: Gehen uns Sand und Kies aus?

Besonders in der Region Berlin-Brandenburg scheinen die Vorräte unter der Erde bisher schier unerschöpflich. Doch viele Sand- und Kiesgruben laufen leer, neue Genehmigungen sind schwierig zu bekommen und die Proteste von Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Umweltschützerinnen und Umweltschützern nehmen zu. Viel Lärm, aufgebrochene Landschaften, bedrohtes Grundwasser – das Bewusstsein für die Umweltfolgen des Tagebaus hat zugenommen. Wer aber weniger Sand und Kies abbauen möchte, kann nicht mehr so viel bauen. Steuern wir auf eine Rohstoffkrise zu?

Die Reporter Constantin Stüve und Nico Schmolke haben sich im vergangenen Jahr den Kampf ums Wasser vorgenommen, nun gehen sie dem nächsten Rohstoff-Konflikt auf den Grund. Auch der UVMB und Vertreter aus Mitgliedsunternehmen kommen in den Beitrag zu Wort.

In Mühlberg an der Elbe befindet sich Europas größtes Abbaugebiet für Kies. Von hier gelangt der wertvolle Rohstoff zu den großen Baustellen der Republik, auch BER und Stadtschloss wurden beliefert. Obwohl die ganze Umgebung bereits von den Folgen des Tagebaus gezeichnet ist, möchte ein Kieswerk-Betreiber seine Abbaufläche erneut erweitern. Das wollen Anwohnerschaft und regionale Landwirtschaft in einer gemeinsamen Anstrengung verhindern. Entscheiden muss den Konflikt jetzt das Brandenburger Bergbauamt. Die Rohstofflobby sieht bereits einen Engpass auf uns zukommen. Oder übertreibt sie, um mit Druck auf die Politik neue Tagebaue genehmigt zu bekommen? Derweil spürt ein Berliner Betonhersteller bereits, wie die Preise steigen.

Doch was ist die Lösung? Wiederverwertung statt immer neuem Abbau? Die Autoren treffen einen Architekten, der auf Holz setzt, um den ressourcen-intensiven Beton zu ersetzen. Und erleben auf einem Beton-Recyclinghof, wie kompliziert das Verfahren ist. Und obwohl Landesregierungen in Berlin und Brandenburg vermehrt umweltschonende Bauprojekte ausschreiben, zieht die freie Wirtschaft bislang nicht nach. Müssen erst Deponien für Bauschutt knapp werden, damit mehr wiederverwertet wird? Oder sollten Umweltauflagen gelockert werden, um unseren Kiesbedarf zu decken? Und wie viel können wir überhaupt noch bauen, wenn wir unsere Umwelt erhalten möchten?

Der Film wurde am 1. Juni 2021 im rbb ausgestrahlt. Er ist abrufbar auf rbb-online